Wichtige Proben-Information:

 

Sommerferien

Wir laden alle Sängerinnen und Sänger zum Probenbeginn wieder nach den Ferien am Donnerstag 14.09.2017 20:00 Uhr in unser Probenlokal ein.

Neue Sängerinnen und Sänger sind gerne willkommen - einfach vorbeischauen, oder anrufen.

 

 

 


 

BZ Konzertbericht vom 28. 03. 2017

Ein Reichtum an Klangfarben

Der Kammerchor Emmendingen widmet sich in der Stadtkirche Werken zwischen lutherischer Tradition und italienischen Vorbildern.

 

 

Stimmsicher: Der Kammerchor in der Stadtkirche. Foto: Dagmar Barber

EMMENDINGEN. Es war erleuchtet in der evangelischen Stadtkirche. Die gotischen Bögen des Altarraumes zeichneten sich ab. Im Hauptschiff herrschte Stille – obwohl die Kirche gut besetzt war. Es war die Musik, die still machte. Ein Instrumentalist und etwa 24 Sänger gestalteten das Programm des Kammerchors Emmendingen unter dem Motto "Zwischen lutherischer Tradition und italienischen Vorbildern". Es war ein denkwürdiges Konzert an jenem Abend im März.Wer bei diesem Konzert anwesend war, glaubte seinen Ohren kaum zu trauen: Ein Chor, der so fein in Dynamik und Artikulation zu differenzieren vermag, ist etwas Besonderes, die Magie der Stimmen Bei den Luthervertonungen begleitete Yasuko Hirano-Mesquita auf dem Orgel-Positiv. Schon der Beginn mit der sechsstimmigen Motette "Die Himmel erzählen die Ehre Gottes" Von Heinrich Schütz (1585 – 1672) ließ aufhorchen. Ebenmaß, äußerste Ruhe, und Intensität in den ersten Phrasen, die von den Männer- und Frauenstimmen intoniert wurden.
Dass dieser Chor gleichzeitig voller Kraft und dennoch klar und mit subtilen Abstufungen bis ins feinste Piano zu singen vermag, macht seine Interpretationen zu einem wahren Erlebnis. Die Stadtkirche bot nicht nur die ideale Umgebung für die erste, geistliche Programmhälfte, sondern auch eine hervorragende Akustik, die diese besonderen Qualitäten des
Emmendinger Kammerchors hervorstrich. Erstaunlich schien der Reichtum an Klangfarben, den der Chor im Laufe seines Programms entfaltete. Unterschiedliche weibliche Stimmlagen variierten mit der dunklen Wärme der Stimmen aus dem Männerchor bis hin zum ätherisch schwebenden Sopran über einem weichen chorischen Klangteppich.
David Mesquita, der Chorleiter, erklärte, dass alle Stücke dieses Programms im Zeitalter der Glaubensspaltung komponiert wurden. Luther selbst prägte die evangelische Kirchenmusik von ihren Anfängen an entscheidend. Gleich das erst Lied "Eine feste Burg" hat große Symbolkraft für den Protestantismus und ist durchaus geprägt von "militärischem" Vokabular: Gott wird als "feste Burg" bezeichnet. Wehr, Waffen, Rüstung sind erwähnt und man kämpft gegen den alten bösen Feind. Es gibt verschiedene Thesen, so können es die osmanischen Invasoren, oder die römisch-katholische Kirche oder die Pest sein.

Nach der einstimmig vorgetragenen Choralmelodie in der Originalfassung von Martin Luther folgte die vierstimmige Vertonung von Michael Praetorius. Er gilt als wichtiger Einfluss für Heinrich Schütz. Das nächste Lied "Aus tiefer Not" ist Luthers Nachdichtung von Bußpsalm 130, eine Melodie mit rhetorischem Quintsprung. Unter dem gleichen Titel vertonte Arnold von Bruck, der überwiegend in Habsburger Diensten stand, dennoch lutherische Texte. "Erhalt uns Herr" ist wohl das polemischste Lied Luthers, denn es folgt im Text "...und steuer' des Papst und Türken Mord". Heute ist diese Zeile entschärft. Es gibt davon auch eine verbotene Parodie: "Erhalt uns Herr bei deiner Wurst, sechs Maß, die löschen einen den Durst".
Im zweiten Teil standen die italienischen Einflüsse auf Heinrich Schütz im Mittelpunkt. 1609 bis 1612 studierte Schütz dank eines Stipendiums des Landgrafen bei Giovanni Gabrieli in Venedig. Quasi als Ergebnis dieser Ausbildung veröffentliche Schütz 1611 eine große Sammlung von italienischen Madrigalen als sein Opus 1. Um 1600 gab es in Norditalien eine musikalische Revolution, diese Zeit gilt auch als Geburtsstunde des Barock. Markiert wurde dieser Wandel durch die Diskussion um den Dissonanzgebrauch in Monteverdis Madrigalen. Dieser setzte bewusst unvorbereitete Dissonanzen ein, um dem Text mehr Ausdruckskraft zu geben, wenn es um Schmerz und Leiden geht. Als exemplarisches Beispiel gilt "Sì ch'io vorrei morire" von Claudio Monteverdi.
Schmunzelnd warnte Mesquita, vor den erotischen Konnotationen, die nichts mit dem wirklichen Sterben zu tun haben: "Ah Mund, ah Küsse, ah Zunge, ich sage abermals: Ja ich möchte sterben". Das geistliche Madrigal klingt widersprüchlich, zeigt aber, wie die neuen Ausdrucksmittel eingesetzt wurden. Nördlich der Alpen setzte sich der Stil rasch durch, der dissonanzreich und expressiv auch die Motette "Die mit Tränen säen" von Johann Hermann Schein prägte.
1625 veröffentlichte Heinrich Schütz die Sammlung von vierzig vierstimmigen Motetten, die "Cantiones sacrae", die nach italienischen Vorbild geprägt sind. Daraus sang der Chor "Verba mea", bei der eine dringende Bitte im Vordergrund ist: "Vernimm meine Worte, Herr und erhör mein Rufen" und stellt mit "Cantate Domino" ein fröhliches Loblied dar.
Zum Abschluss dieses ergreifenden Konzertes erklang nochmals die sechsstimmige Motette "Die Himmel erzählen die Ehre Gottes" aus der Geistlichen Chormusik von 1648, die das Konzert eröffnet hatte. "Man kann sie als Synthese aus der lutherischen Tradition und den italienischen Innovationen sehen... und auch hören" erklärte David Mesquita. Wenn David Mesquita "Fachmann für alte Musik" genannt wird, so machte dieses Konzert hörbar, dass darin mehr als ein Körnchen Wahrheit steckt.

Und dies war unser Konzert:

Heinrich Schütz:

zwischen Lutherischer Tradition und Italienischen Vorbildern

Unter diesem Titel bereiteten wir  zwei Konzerte im Frühjahr 2017 vor.

Die Aufführungen sind Heinrich Schütz gewidmet, der sich zwischen lutherischer Tradition und italienischen Vorbildern entwickelt hat. Schütz setzte sich intensiv mit der Musik des 16. Jahrhunderts auseinander, z. B. mit einer Liedersammlung, die 1534 in Nürnberg erschien und Lieder von Arnoldus Bruck und Ludwig Senfl enthielt.
Er unternahm immer wieder Reisen, um sich in der Auseinandersetzung mit Kollegen weiter zu bilden. So war er zweimal in Venedig, wo er beim ersten Mal mit Gabrieli und bei der zweiten Reise mit Monteverdi zusammen traf.
Im Konzert gibt es deshalb neben Schütz auch seine Inspiratoren Praetorius, sein Vorgänger in Dresden, Monteverdi und seinem Freund Schein zu hören.

Im ersten Teil des Programms spielt Luther eine zentrale Rolle, was auch zum Luther-Jahr 2017 passt, und im zweiten Teil stehen die entscheidende Einflüsse aus Italien im Mittelpunkt.

 

 

 


 

 

Ein Konzert wurde in Emmendingen am 25. März in der evangelischen Stadt-Kirche aufgeführt.
Für die 2. Aufführung begab sich der Kammerchor in die Heimat von Heinrich Schütz, der am 8. Okt. 1585 in Bad Köstritz geboren ist und am 6. November 1672 in Dresden starb.
Wir reisten am Freitag, den 31. März nach Chemnitz. In der Stadt am Fuße des Erzgebirges ist der frühere Dirigent des Kammerchores Matthias Böhm Kantor.

Am 1. April fand das zweite Konzert dieser Reihe in Chemnitz in der Kirche  St. Joseph statt.
Außerdem gestaltete der Kammerchor den Sonntagsgottesdienst in der Probstei-Kirche am nächsten Tag.

Den weiteren Sonntag verbrachte der Chor an der langjährigen Wirkungsstätte von Heinrich Schütz  in Dresden.
Dort hat Schütz u. a. die große Festmusik anlässlich des Kaiserbesuches in Dresden und zur 100-Jahr-Feier der Reformation komponiert.
Das Wohnhaus von Schütz wurde beim Bombenangriff 1945 zerstört und ist 2008 nach alten Vorlagen als Senioren-Residenz wieder aufgebaut worden.

Auf der Rückfahrt am Montag, den 3. April besuchten wir das Museum im Geburtshaus von Heinrich Schütz in Bad Köstritz.

 

 

 

 
 

 

 

 

 


 

Der Kammerchor hat mittlerweile wieder ca. 35 Sängerinnen und Sänger. Der Chor freut sich aber, wenn für jedes neue Projekt singfreudige Menschen dazu kommen, die in entspannter Atmosphäre anspruchsvolle Werke erarbeiten wollen. Der junge Dirigent, David Mesquita, schafft es mit Engagement und Humor dem Chor die Werke nahe zu bringen und auch schwierige Passagen ohne Stress einzustudieren. Gerade die vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten der Lieder unterschiedlicher Epochen bringen Abwechslung in den Probenalltag und entwickeln Chortechnik und Klang.

Probentermin: Donnerstags 20 - 22 Uhr, in der Grundschule in Emmendingen-Mundigen, außer in den Schulferien

Kontakt: Hans-Peter Nusser Tel.: 07641 6375